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„Dreck … oder doch die dünne Schicht von der wir leben?"

Es ist weitaus mehr als nur einfach nur "Dreck", was als dünne Schicht Teile unseres Planeten bedeckt und hier unverzichtbare Grundlage für alles Leben auf der Erde darstellt. Das bekamen die Teilnehmer der jüngsten Veranstaltung des Agenda-Arbeitskreises "Landwirtschaft, Natur, Umwelt" anschaulich vor Augen geführt.
Dr. Eberhard Aldinger, ehemaliger Leiter der Abteilung Waldnaturschutz der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg und Mitglied im Vorstand des Landesnaturschutzverbandes, informierte am praktischen Beispiel und mit einem interessanten Fachvortrag über das Schutzgut Boden und seine verborgene Vielfalt.

Für die Sprecher des Arbeitskreises hieß Diana Brandstetter die gut zwei Dutzend Teilnehmer der Veranstaltung beim Schützenhaus hinter dem Sportgelände willkommen.
Unter dem Motto  „Dreck … oder doch die dünne Schicht von der wir leben?" ging es zunächst gemeinsam ein kurzes Stück in den Wald, um sich den Boden etwas genauer anzuschauen.
Schon der Baumwuchs in diesem Bereich ließ erkennen, dass es sich hier um ein recht feuchtes Gebiet handelt, ein Eindruck, der sich bei näherer Betrachtung noch verstärkte. Ein rund einen Meter tief ausgebaggertes Loch zeigte als typisches Waldbodenprofil einen wechselfeuchten schluffigen Lehm mit einer dünnen Humusschicht als Oberboden. Der Humusanteil, der Wasser und Nährstoffe speichert, wird nach unten immer dünner. Im Unterboden findet sich toniges Material mit Anzeichen, dass hier Eisen und Mangan ausfällt.

Nach diesem praktischen Teil ging es in die Räumlichkeiten der Grimmelshausenschützen Renchen, wo Aldinger in einem kurzen Vortrag mehr über Böden, ihre Nutzung und ihre Gefährdung informierte. "Die Bodenentwicklung dauert Jahrtausende" betonte er und zeigte auf, dass die verschiedenen Bestandteile des Bodens durch unterschiedliche Vorgänge der Bodenbildung entstehen. Die mineralischen Bestandteile, wie Gesteine und Mineralien, entstammen der physikalischen und chemischen Gesteinsverwitterung. Die organischen Bestandteile, wie abgestorbene Pflanzenteile, Tierleichen und Humus, entstehen durch die Tätigkeit pflanzlicher und tierischer Humusbildner; zudem enthält der Boden Wasser und Luft.
Die mineralische Substanz wird nach Korngrößen in drei Korngrößenfraktionen unterteilt in Sand, Schluff und Ton.
Aldinger zeigte die unterschiedlichen Bodenlandschaften in Baden-Württemberg ebenso wie die Bedeutung des Bodens als Lebensgrundlage und Bestandteil des Naturhaushalts. Bei der Gefährdung des Bodens stellte er vor allem die Versiegelung in den Vordergrund: 80 Hektar Fläche in Deutschland gehen so täglich der Natur verloren. Weitere Aspekte waren die Säure- und Stickstoffeinträge sowie die Überdüngung, deren Schwerpunkte, wie eine Karte belegte, vor allem in Norddeutschland, aber auch im benachbarten Holland schon sehr weit fortgeschritten ist. Bodenschutz ist eine große Verantwortung für die Zukunft, so das Fazit der anschließenden Diskussion.