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Renchen erhielt "historischen Schatz"

07.09.2018

Sehr überraschend, aber umso erfreulicher war die Post, die von der Stadtverwaltung von Ulm an der Donau in der Grimmelshausenstadt einging. Inhalt waren zwei Urkunden aus den Jahren 1586 und 1595, ausgestellt vom Amt "Ulm bei Oberkirch". Dr. Gudrun Litz, Reformations-Spezialistin im Ulmer Stadtarchiv, teilte in dem Begleitschreiben mit, dass diese Urkunden bei Arbeiten in den Beständen der Archive der ehemaligen Reichsstadt Ulm an der Donau entdeckt und aufgrund des Titels und der Wachssiegel eindeutig dem jetzigen Renchener Ortsteil Ulm zugeordnet werden konnten. Es sei ein Kuriosum und nicht mehr zu ermitteln, wie diese Urkunden in die Archivalien der früheren freien Reichsstadt Ulm an der Donau gekommen waren. In einer Pressekonferenz stellte Bürgermeister Bernd Siefermann die beiden Urkunden vor. Mit dabei waren Dr. Marco Müller, der Historiker am Stadtgeschichtlichen Institut Bühl berät die Stadt Renchen bei Themen der Ortsgeschichte, außerdem Ulms Ortsvorsteher Roland Boldt und Hauptamtsleiter Stefan Gutenkunst. Dieser hatte auch eine erste Vermutung, die aber noch überprüft werden soll: die Urkunden könnten im Zusammenhang mit der ehemaligen Pfandherrschaft der Württemberger Mitte des 17. Jahrhunderts durch eine Verwechslung der beiden Orte namens Ulm ins Archiv der ehemaligen Reichsstadt geraten sein. Auch der Inhalt der Urkunde von 1586 weist eindeutig auf Ulm bei Renchen hin. Es handelt sich um einen Zinsbrief des Ulmer Stadtgerichts für einen „Simon Craft aus Thiergarten“ und seine Frau Barbara, beteiligt ist auch ein Bastian Eckenfels, wohnhaft „am Edsbach“, so die Originalschreibweise. In der anderen Urkunde ist u. a. von einem "Stabhalter und Zwölfer des Ulmer Gerichts" die Rede. "Diese beiden Schriftstücke belegen, welche Bedeutung Ulm als Gerichtsort im 16. Jahrhundert hatte", betonte Gutenkunst und Dr. Müller machte deutlich, dass es sich bei diesen beiden Urkunden um die ältesten Originale des Ortsarchivs handelt. Es gebe zwar als ältesten Text einen Waldspruch aus dem Jahr 1410, allerdings lediglich in einer Abschrift, die 1688 datiert ist. Diese Urkunden zeigen auch eindrucksvoll, dass das Symbol des Heiligen Mauritius damals schon als Siegel für amtliche Dokumente verwendet wurde. Aufgabe von Dr. Müller wird es nun sein, die beiden Schriftstücke ins heutige Deutsch zu transkribieren. Das dürfte vor allem bei der textlich umfangreichen Urkunde aus dem Jahr 1594 nicht einfach sein. Bürgermeister Siefermann freute sich über diesen „historischen Schatz“, der rechtzeitig zu den Feierlichkeiten nach Ulm zurückkam, mit denen im Jahr 2020 das 950-jährige Jubiläum der urkundlichen Ersterwähnung des Ortes gefeiert wird. Vorgesehen ist dann, die Urkunden samt ihrer Transkription in Tischvitriten auszustellen und so auch der Öffentlichkeit zu präsentieren. Vorsichtig und mit Handschuhen wurden die beiden Pergamente abschließend für das Foto hochgehalten.