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13.10.2017 bis 17.12.2018

Veranstalter:       Stadt Renchen und Förderverein Grimmelshausenfreunde e.V.
Treffpunkt:Simplicissimushaus
Straße:Hauptstraße 59
Ort: 77871 Renchen

Karl Schmidt-Wolfsratshausen: Grimmelshausen in Schwarz und Weiß

Zu den ältesten Sammlungsstücken des Simplicissimus-Hauses gehört eine Mappe mit 35 von Hand abgezogenen Linolschnitten des Künstlers Karl Schmidt-Wolfratshausen zu Grimmelshausens »Abenteuerlichem Simplicissimus Teutsch«. Die Mappe, ein Erstlingswerk, ist in nur 100 Exemplaren gedruckt worden, wobei der Künstler sämtliche einzelne Linolschnitte noch einmal mit der Hand signierte. Entstanden ist das grafische Werk nach dem Ende des Ersten Weltkriegs; die Veröffentlichung erfolgte 1921 im Münchener Verlag D. u. R. Bischoff.  

Geboren wurde der Künstler Karl Schmidt in Wolfratshausen am 10. Januar 1891. Nach Besuch des Gymnasiums in München arbeitete er an verschiedenen satirischen Zeitschriften mit, entschloss sich aber zu einem Architekturstudium  in Nürnberg. Offensichtlich war dieses Metier nicht das für ihn geeignete, weshalb er ein Studium an der Kunstgewerbeschule in München anschloss. Ab 1920 unternahm er erste Studienfahrten, unter anderem nach Italien. Auch waren die 1920er Jahre durch ein reiches grafisches Werk gekennzeichnet.  

Der »Abenteuerliche Simplicissimus Teutsch« wurde von den Teilnehmern am Ersten Weltkrieg als Parabel auf das selbst Erlebte erfahren, als ein erschreckender Vergleich zum 30jährigen Krieg. Ungewöhnlich an Karl Schmidt-Wolfratshausens Linolschnitten ist die Tatsache, dass er die Umrisslinien seiner Figuren in schwarz geschnitten hat, nicht aber deren Körper, was eher der Technik eines Holzschnittes entspricht. Erzählerisch hält sich der Künstler sehr eng an den Grimmelshausenschen Roman.  

1923 zog Schmidt mit seiner Familie nach Nabburg in der Oberpfalz. Dieser Stadt blieb der Künstler bis zum Lebensende treu. Den Zweiten Weltkrieg erlebte er an der West- und Ostfront, zum Ende des Krieges als Leiter des Volkssturms in Nabburg.  

Die druckgrafischen Tätigkeiten wurden nach dem Krieg wieder auf- genommen, auch malerische Experimente und Ölmalerei. 1951 und 1956 war Karl Schmidt-Wolfratshausen in Amberg und in Hof an großen Kunstausstellungen beteiligt. Seit den 1950er Jahren folgten umfangreiche Studienreisen nach Italien, Frankreich, Portugal und Spanien, die ihren Niederschlag in seiner Kunst fanden. 1969 ehrte die Heimatstadt Nabburg den Künstler mit dem Ehrenbürger-Titel. Die Stadt wurde gemeinsam mit seiner Ehefrau Martha als Alleinerbin seines Vermögens eingesetzt. Nach dem Tode Karl Schmidt-Wolfratshausens am 14. März 1971 entstand ein Kulturzentrum mit seinem Namen, das bis heute besteht. 
Dr. Christian Juranek

Öffnungszeiten: Sonntag 15 bis 18 Uhr, sowie nach Voranmeldung unter 07843/707-19 oder s.berger@renchen.de

Parkmöglichkeit: Bärenhof (Einfahrt Rathausplatz, B3)